Die Bernsteinschabe - ein Schädling?

In den letzten Jahren gehen bei Schädlingsexperten und Zoologen immer häufiger Anrufe besorgter Bundesbürger ein, dass diese in ihren Wohnungen unter einem Schabenbefall leiden. Oft handelt es sich bei den ungebetenen Hausbesuchern jedoch nicht um die als Hygiene-Schädling eingestufte "Deutsche Schabe" (Blatella germanica), sondern um die harmlose Bernsteinschabe (lat.: Ectobiusvittiventris).

Diese wärmeliebende Waldschabe hat es in den vergangenen vierzehn Jahren geschafft sich in Deutschland erfolgreich zu etablieren. Aufgrund der anhaltenden Klimaerwärmung war es ihr möglich von Italien über die Alpen in die Schweiz zu gelangen. Mittlerweile ist sie sogar in Süddeutschland vorzufinden und einer weiteren Expansion nach Norden steht Experten zufolge nichts im Weg. Da sich diese Art ausschließlich von abgestorbenen Pflanzenteilen ernährt und sich bevorzugt im Freien aufhält, birgt sie kein Hygiene-Risiko; eine professionelle Bekämpfung durch einen Kammerjäger ist deshalb nicht zwingend notwendig. Möchte man jedoch sicher gehen, dass die beobachtete Schabe wirklich harmlos ist, so ist eine professionelle Schädlingsidentifikation ratsam.

Charakteristika der Bernsteinschabe sind ihre Länge von 9 bis 14 mm, ihre hellbraune Färbung und die schlanke Form. Ursprünglich war sie nur im Mittelmeerraum beheimatet, doch seit den späten 1990er Jahren kommt sie auch in der Schweiz vor. Die erste Sichtung der Schabe auf deutschem Boden war im Baden-Württembergischen Weil am Rhein im Jahr 2001. 2011 hat man sie schon im weiter nördlich gelegenen Freiburg ausfindig machen können.

Man kann die Bernsteinschabe leicht mit der bedenklichen "Deutschen Schabe" verwechseln. Dieser Hygiene-Schädling verschmutzt unsere Lebensmittel und sorgt so im schlimmsten Fall für die Übertragung verschiedener Krankheiten. Deutliche Unterscheidungskennzeichen sind zwei schwarze Streifen am Halsschild der Deutschen Schabe. Außerdem ist sie im Gegenteil zur Bernsteinschabe flugunfähig und nachtaktiv und verfügt über ein besser ausgeprägtes Fluchtverhalten: wenn man sie stört, verkriechen sie sich unverzüglich in der nächstgelegenen Ritze.


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